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21. Januar 2018

 


17. September 2006

Mozart Klavierabend

 

Trotz der Kürze seines Lebens hat Mozart in einer raschen Entwicklung die drei typischen Phasen eines Komponisten, früh - reif - spät, durchlaufen. Die drei Gruppen der Salzburger-Münchner, Mannheimer-Pariser und Wiener Klaviersonaten dokumentieren dies. Obwohl schon typisch mozartisch, zeigen die sechs Sonaten der ersten Gruppe noch deutlich ihre Herkunft aus der Kunst der „galanten Epoche", vor allem den Einfluss Johann Christian Bachs. Die sieben von Herbst 1777 bis Herbst 1778 in Mannheim und Paris entstandenen Sonaten sind Frucht eines raschen Reifungsprozesses während der Schicksalsreise, die den 21jährigen durch die leidenschaftliche, schnell enttäuschte Liebe zu Aloysia Weber und den Tod seiner Mutter aus der heiteren Jugendwelt herausriss und ihm den Blick für die dunkle Realität des Lebens öffnete. Nach dieser Reise und seiner Übersiedlung nach Wien hat Mozart für das Klavier viele Konzerte, aber volle sechs Jahre lang keine Sonate mehr komponiert. Alle danach von ihm veröffentlichten (5 bzw. 6) „Wiener Klaviersonaten" sind individuelle Einzelwerke des nun freien, selbstverantwortlichen Künstlers.


Für dieses Konzert wurden Sonaten ausgewählt, die für die drei Schaffensperioden typisch sind. Dabei wird der vorwiegend heitere dem dramatisch leidenschaftlichen Mozart gegenübergestellt.

 

Sonate in B-Dur KV 498a

Allegro

Minuetto:  Allegretto

Andante

Rondo:  Allegro

 

Das Konzert beginnt mit 4 aus Mozartschen Fragmenten rekonstruierten Klaviersätzen. Als KV 498a fehlen diese in keiner der alten Sammlungen von Mozart-Sonaten. Erst die Urtextwelle des 20. Jahrhunderts hat sie hinweggespült. Die von Karl Marguerre auf der Grundlage Mozartscher Originalvorlagen 1973 revidierte Ausgabe hat Gil Sullivan so überzeugt, dass er sie in sein Programm übernommen hat. Die Mozartsche Vorlage zum 1. Satz ist ein 1789 entstandenes Fragment eines Sonaten-Hauptsatzes. Das Menuett beruht wahrscheinlich auf der Übertragung eines Kammermusikwerkes Mozarts. Das Thema des Andantes stammt aus dem Klavierkonzert B-Dur KV 450. Das Rondo folgt einem Entwurf für den Schlusssatz dieses Konzertes. Die Sätze zeigen überwiegend den heiteren Mozart.

*****

 

Sonate in a-moll KV 310

Allegro maestoso

Andante cantabile con espressione

Presto

Eine völlig andere Stimmung beherrscht die 1778 während Mozarts Schicksalsreise in Paris entstandene a-moll-Sonate KV 310. Eine Klaviersonate von solcher formalen und inhaltlichen Größe, solcher heroisch-tragischen Stimmungsdichte war zuvor noch niemals geschrieben worden. Unerbittlichkeit in den Themen und monotonen Rhythmen, in den sich aufbäumenden und wieder nieder sinkenden Laufgirlanden ist das Charakteristikum des ersten Satzes, Allegro maestoso. Im zweiten Satz, Andante cantabile con espressione, kehrt Ruhe ein, jedoch mit pathetisch-leidenschaftlichen und tragisch-erhabenen Zügen. Die Sonate schließt mit einem schattenhaft dahinhuschenden a-moll-Presto, das in der Mitte von einem kurzen Dur-Lichtblick erhellt wird - vielleicht entstanden aus dem Bewusstsein Mozarts von der Flüchtigkeit des Lebens.

*****

 

Sonate in G-Dur KV 283

Allegro

Andante

Presto

 

Die 1774 entstandene G-Dur-Sonate KV 283 verdankt ihre Volkstümlichkeit vor allem dem ersten Satz, einem melodisch fließenden, aus prägnanten thematischen Formeln gefügten Allegro. Mozart lässt hier der Exposition statt einer Durchführung eine neue, kurze Themengruppe folgen, die in die Reprise zurückleitet. Das Andante, entwickelt sich in zierlich verschnörkeltem Figurenwerk, unterbrochen von einem dunkleren Mittelteil in Moll. Das Finale, ein lustiges Presto im Dreiachteltakt, über gleichförmigen Trommelbässen beginnend, passt zum unbekümmerten Charakter dieser Sonate.

*****

 

Fantasie & Sonate in c-moll KV 475/457

Adagio

Allegro

Andantino

Primo tempo

Molto allegro

Adagio

Allegro assai

 

Die von Mozart im Oktober 1784 komponierte c-moll-Sonate KV 457, zusammen mit der von ihm im Mai 1785 als Präludium vorangestellten c-moll-Fantasie KV 475, wirkt mit ihrer eruptiven Ausdruckskraft wie ein Vorbote der romantischen Epoche. Im Adagio der Fantasie schließt sich an die Introduktion mit ihrem erschütternden Schicksalsmotiv eine melancholische Melodie an; dann folgt ein stürmisches Allegro und ein lyrisches Andantino mit einem dramatisch anlaufenden, sich allmählich beruhigenden Piu allegro, das zur Coda, Primo tempo, überleitet, in der das Schicksalsmotiv wieder aufgegriffen wird. Das Thema des 1. Satzes der c-moll-Sonate, Molto allegro, ist gekennzeichnet durch den dynamischen Gegensatz zwischen der Energie eines aufsteigenden Dreiklangmotivs und der Zartheit des nachfolgenden absteigenden Motivs. In der Coda wird das Dreiklangmotiv durch eine dramatische Engführung gesteigert, bevor der Satz in dunkler c-moll-Tiefe verklingt. Zwischen den expressiven Allegro-Sätzen wirkt das Adagio in Es-Dur mit seiner zierlichen Ornamentik wie eine wehmütige Erinnerung an vergangene, glückliche Zeiten. Das stürmische Finale, Allegro assai, mit seinen vorwärts drängenden Motivketten, die durch peitschende Akkorde mit nachfolgenden Fermatenpausen abgebrochen werden, offenbart die erschütternde seelische Zerrissenheit des Komponisten.

Der Solist bedankte sich bei seinem begeisterten Publikum für den anhaltenden mit dem ersten Satz aus der Klaviersonate in B-Dur KV 333.

 


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Stand: 16. Mai 2010.