Jülicher Schlosskonzerte©

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21. Januar 2018

 


25. März 2007

Rabaskadol

Das Ensemble für alte Musik "Rabaskadol" unter Leitung von Fritz Heller

und der Kammerchor "Capella '92" unter Leitung von Gerben van der Veen

konzertieren im Zusammenhang mit dem Zitadellenfest „Jülicher Hochzeit" unter dem Motto

Musik am Hofe Herzog Wilhelms V.

 

Im Mittelpunkt des Konzertprogramms steht der jülich-klevische Hofkomponist Martin Peudargent. Aus seiner zweiten Motettensammlung von 1555 erklingen »Staats- bzw. Huldigungsmotetten«, Werke in deren Texten auf das Fürstenhaus Bezug genommen wird. Die Motette »Terram nunc pede libero« trägt den Untertitel »In laudem Mariae Leonorae Guilielmi Ducis Clivensis, Juliacensis, Bergen etc. Primogenitae«. Sie wurde anlässlich der Taufe von Maria Eleonora (*1550), der ersten Tochter des Herzogs Wilhelm V., aufgeführt. Die Motetten »Misericordia Jesu Christi« und »Dux optatus adest« beziehen sich auf die Geburt des Thronfolgers Karl Friedrich (*1555).
Darüber hinaus erklingen Werke aus seinem ersten und zweiten Motettenbuch, wie sie in der täglichen Praxis einer Hofkapelle eingesetzt wurden: Vertonungen von Bibelzitaten, insbesondere von Psalmen und freien Texten zu Themen des Kirchenjahres.

Anders als die Trennung von weltlicher und geistlicher Musik heute, wurden vor 400 Jahren auch Motetten als Tafelmusik oder als instrumentale Stücke musiziert. So erscheint in der zweiten Programmhälfte die Motette »Apparuit caro Joani suo« des Lütticher Musikers Adamus de Ponta, der nachweislich bei den Hochzeitsfeierlichkeiten 1585 zugegen war.
Natürlich gehörten zu einem Hochzeitsfest Tänze, Maskeraden und der Vortrag von heiteren und erotischen Musikwerken. Die ausgewählte Tanzmusik stammt aus der Sammlung »Chorearum molliorum« des Antwerpener Druckers Pierre Phalèse von 1583, war also brandaktuell.
Die weltliche Vokalmusik stammt von Josquin Baston, einem Komponisten, den Peudargent derart schätzte, dass er Werke von ihm in seine Chansonsammlung von 1561 aufnahm, und von Jean de Castro, der von sich angibt, im Dienste des Düsseldorfer Hofes gestanden zu haben.

Die Instrumentierung und Besetzung richten sich nach den Gepflogenheiten der Zeit, die wir auch in lokalen Quellen finden können. Die uns zur Verfügung stehenden Kupferstiche zeigen deutlich die Verwendung von Violinen. Damit war der jülich-klevische Hof auf der Höhe seiner Zeit. Die Violine entwickelte sich im 16. Jahrhundert zusehends zum Ensembleinstrument und wurde in Deutschland erstmals am Münchener Hof in der Kapelle Herzog Albrechts V. eingesetzt.

Eher traditionell ist die Verwendung der Blasinstrumente Zink, Posaune und Pommer in der deutschen Musik. Auch diese Instrumente sind aus vorliegenden Kupferstichen für die jülich-klevische Hofkapelle belegt. Dies gilt auch für die Tasteninstrumente Virginal und Spinett, die von Martin Peudargent selbst gespielt wurden: Basso-seguente-Spiel, d. h. das akkordische Spielen der tiefsten Stimme eines Satzes, war eine Neuerung, die gerade aus Italien ihren Weg in den Norden gefunden hatte.
Neben Instrumentalisten wurden auch Sänger für die Fürstenhochzeit verpflichtet. Es wird bei den Konzerten und der sie begleitenden CD-Aufnahme ein Klangspektrum realisiert, das sich einer »Capella« für die monumentalen Werke und Solostimmen mit instrumentaler Begleitung für die filigranen Werke bedient.

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Stand: 16. Mai 2010.