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21. Januar 2018

 


 

7. Oktober 2012

 

Jacques Thibaud Ensemble

 

Mozart und die Romantik”

 

 

 

 

 

                                                                      Foto: RW

Das Thibaud-Ensemble

Bogdan Jianu, Violoncello - Andrei Banciu, Klavier

Eleonore Pameijer, Flöte - Hannah Strijbos, Viola

 und Burkhard Maiß, Violine

 

 

Das Jacques Thibaud Ensemble entstand aus der langjährigen Zusammenarbeit der niederländischen Flötistin Eleonore Pameijer und des rumänischen Pianisten Andrei Banciu mit dem Jacques Thibaud Trio Berlin. Seit vielen Jahren konzertieren die Künstler gemeinsam und haben sich nach erfolgreichen internationalen Karrieren nun zu einem festen Ensemble zusammengeschlossen.

Das Jacques Thibaud Ensemble präsentiert die großen Meisterwerke der Klassik in sorgfältig ausbalancierten Programmen auf dem höchstmöglichen Niveau. Die Programme der Künstler bieten eine große Vielfalt, sie reichen von Solowerken bis hin zu größeren Besetzungen am selben Abend. Musik der Gegenwart wird selbstverständlich mit einbezogen, es werden zeitgenössische Kompositionen mit den Komponisten erarbeitet; einen anderen Schwerpunkt bilden die vergessenen Meisterwerke jüdischer Komponisten, denen wieder der Platz im Konzertleben zurückgegeben werden soll, der ihnen zukommt.

Die Gründungsmitglieder Eleonore Pameijer, Burkhard Maiß, Bogdan Jianu und Andrei Banciu konzertierten bereits mit größtem Erfolg in Europa, Asien, Skandinavien, USA , Canada und haben in den bedeutendsten Konzertsälen der Welt gespielt, so in der Wigmore Hall, Carnegie Hall, im Concertgebouw, im Mozarteum und der Berliner Philharmonie.

Als Namenspatron haben die Musiker den französischen Geiger Jacques Thibaud gewählt, der neben seiner solistischen Karriere als Kammermusiker Weltruhm genoss und neben dem damals traditionellen Repertoire viele neue und wenig beachtete Werke als erster auf das Konzertpodium brachte , so z.B. auch die heute bekannten Violinwerke von Debussy und Szymanowsky, die er mit den Komponisten einstudierte.

 

*****

 

Eleonore Pameijer studierte am Konservatorium von Amsterdam Querflöte bei Koos Verheul. Dort erhielt sie ihr Diplom mit Auszeichnung. Sie setzte ihr Studium bei Sue Ann Kahn am Bennington College in Vermont (USA) fort und besuchte Meisterklassen bei Julius Baker, Samuel Baron und dem legendären französischen Flötisten Marcel Moyse. Wieder nach Europa zurück gekehrt, studierte sie bei Severino Gazzeloni in der Academia Chigiana (Italien).
Sie debütierte im Concertgebouw Amsterdam und gewann den ersten Preis des Frank Martin-Wettbewerbs. Auch erschien sie im holländischen Fernsehen als eine der "Jungen Solisten und Solistinnen des Jahres". Zwischen 1985 und 2000 war sie die erste Flötistin im ASKO/Schönberg Ensemble.

Eleonore Pameijer konzertierte als Solistin mit verschiedenen Orchestern und Ensembles unter der Leitung von Dirigenten wie David Porcelijn, Arthuro Tamayo, Richard Dufallo, Ton Koopman, Oliver Knussen, Hans Zender, Ingo Metzmacher, Peter Eötvös, Philippe Entremont, Kenneth Montgomery oder Alexander Vedernikov. Sie bewies ihre solistischen Fähigkeiten außerdem in vielen holländischen Festivals und spielte in nahezu allen europäischen Ländern wie in Süd-Amerika, Kanada und den USA. Für sie sind viele Kompositionen geschrieben. Der holländische Verlag für zeitgenössische Musik Donemus veröffentlichte das für Eleonore Pameijer komponierte Repertoire für Flöte solo in zwei Bänden.

Pameijer wirkte in Radio und Fernsehaufnahmen mit und ist außerdem auf CD-Einspielungen zu hören für Composer’s Voice, FutureClassics, Philips, Olympia, Attacca und Channel Classics.
1996 gründete sie die Leo-Smit-Stiftung, die sich seitdem für die Veröffentlichung und Verbreitung der Werke "vergessener Komponisten, Opfer der Nazis" einsetzt. 1997 erhielt Eleonore Pameijer den Straesser-Verster Preis.

 

Burkhard Maiß wurde 1969 in Düsseldorf geboren und begann mit 5 Jahren seine musikalischen Ausbildung. Er gewann verschiedene Preise bei ‘Jugend musiziert’ und wurde 1986 Jungstudent am ‘Julius Stern Institut’ in Berlin. Ab 1986 studierte er bei Prof. Koji Toyoda an der ‘Hochschule der Künste Berlin’ und war in dieser Zeit Konzertmeister und Solist bei mehreren Kammerorchestern. Sein Konzertexamen legte er bei Prof. Mandeau an der ‘Folkwang Hochschu

 

Andrei Banciu wurde 1985 in Timisoara (Rumänien) geboren. Von seinem 6. bis 21. Lebensjahr wurde er in seiner Geburtsstadt von Prof. Maria Bodo unterrichtet, zunächst an dem Musiklyzeum „Ion Vidu“, danach an der West-Universität Timisoara. Ab dem Jahr 2006 studierte er an die Universität der Künste Berlin bei Prof. Klaus Hellwig.  Er hatte Klaviermeisterkurse bei  Paul Badura-Skoda, Fabio Bidini, Pascal Devoyon, Rainer Becker, Karl-Heinz Kämmerling, Jacques Rouvier und Tamas Vesmas, sowie bei Wolfram Rieger (Liedgestaltung) und Gianluca Cagnani (Cembalo).

Seit 1995 war er vielfacher Preisträger in nationalen und internationalen Wettbewerben, u.a. 1995 ‘Rovere d’oro’ Italien (1. Preis), 1998 und 2002 ‘Jeunesses Musicales’ Bukarest, Rumänien (2. Preis), 2004 ‘Kissinger Klavierolympiade’ Bad Kissingen (Publikumspreis), 2006 ‘Bela Bartok’ Szeged, Ungarn (1. Preis). Er bekam Stipendien von der Paul-Hindemith-Gesellschaft Berlin, der Studienstiftung des Deutschen Volkes, der Konrad-Adenauer-Stiftung und er ist einer der  2010 Bayreuth-Stipendiaten.

Seit 2000 konzertierte er in Rumänien mit den Philharmonischen Orchestern von Timisoara, Arad und Sibiu, und gab Solo- und Kammermusikabende (zusammen mit dem ‘Jacques Thibaud Streichtrio Berlin’) in Deutschland (Berlin, Bremen, Bayreuth, Essen, Hamburg, München, ‘Kissinger Sommer’ Bad Kissingen, ‘Europäische Wochen’ Passau), in den USA. und Polen. 2009 spielte er zusammen mit dem belgischen Geiger Leonard  Schreiber in Holland (Utrecht, Linschoten), Belgien (Antwerpen), Frankreich (Maison de Radio France, Paris) und England (Royal Festival Hall, London)

 

Hannah Strijbos Viola, verstärkt das Jacques Thibauld Ensemble zum Schluss des Konzertabends bei der Aufführung des Schumann-Klavierquartetts. Sie begann das Geigenspiel mit acht Jahren. Bis zum Alter von 18 Jahren studierte sie in Den Haag bei Coosje Wijzenbeek am Royal Conservatoire. Seit 2007 ist die Viola ihr Hauptfach in Amsterdam (bei Marjolein Dispa und Nobuko Imai am Conservatorium Amsterdam) und in Paris (bei Pierre-Henri Xuereb am Conservatoire National Supérieur de Musique).

Hannah Strijbos ist Preisträgerin mehrerer nationaler und internationaler Musikwettbewerbe. 2005 erhielt sie ein Stipendium der Han Lammers Stiftung für talentierte Nachwuchsmusiker. Dieses Jahr errang sie den zweiten Preis beim niederländischen Viola Wettbewerb.

Sie nahm an mehreren Musikfestivals in Europa und Canada teil. Sie hatte Unterricht und besuchte Meisterklassen u.a. bei Yun Bashmet, Nobuko Imai, Lawrence Power, Michael Tree und Thomas Riebl. Sie nahm am renommierten Verbier-Festival 2012 (Schweiz) erstmals teil und am Internationalen Musiker Seminar Prussia Cove (UK). Sie studierte bei Pinchas Zukerman im Rahmen des Young Artist Program in Ottawa.

Hannah Strijbos konzertiert regelmäßig als Solistin sowie kammermusikalisch. Sie spielte u.a. mit Janine Jansen, Colin Carr, Nobuko Imai und Yuval Gotlibovich. Sie ist Mitglied des Strichquartetts "Allegra", das 2006 im Concertgebouw Amsterdam debütierte.

Sie spielt auf einer Viola von Johannes Cuypers aus dem Jahre 1776, eine Leihgabe des Nationaal Muziekinstrumenten Fonds Nederland.

 

 


 

Das Programm

 

"Mozart und die Romantik"

Dem einleitenden Flötenquartett von Mozart stellen die Künstler drei Werke von Komponisten aus der Romantik gegenüber (Weber, Schumann und Golestan). Diese gehören zu der ersten Musikergeneration, die die einmalige Stellung Mozarts in der Musikgeschichte erkannte. Die Klarheit der Musik von Mozart erschien ihnen als höchstes Ziel und doch unerreichbar

 

 

W. A. Mozart

(1756 - 1791)

Flötenquartett D-Dur KV 285

 

Allegro - Adagio-attaca - Rondeau Allegretto

 


Konrad Boehmer

(geb. 1941)

"Atem" für Flöte Solo (1975)

 


Carl Maria von Weber

(1786 - 1826)

Trio für Flöte, Cello und Klavier op. 63

 

Allegro moderato - Scherzo - Schäfers Klagelied: Andante espressivo - Finale: Allegro

 


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Stan Golestan

(1875 - 1956)

Sonatine für Flöte und Klavier

 

Allegretto semplice - Perpetuum mobile: Molto vivo - Adagietto: Non troppo lento - Rondo final: Allegro spirituale

 

 


Robert Schumann

(1810 - 1856)

Klavierquartett op. 47

 

Sostenuto assai - Allegro ma non troppo

Scherzo, Molto vivace - Trio I - Trio II

Andante cantabile

Finale: Vivace

 

 

 


 

Zum Programm

 

Wolfgang Amadeus Mozart komponierte das Quartett für Flöte, Violine, Viola und Cello  im Auftrag des Flötisten Ferdinand Dejean. Er tat dies zunächst  etwas widerwillig, da er, wie er sagte, „die Flöte nicht leiden konnte“. Das Ergebnis war dann allerdings eine Perle der Kammermusik mit einem der „schönsten Mittelsätze, die je für Flöte und Begleitung geschrieben worden sind“ (Alfred Einstein).

 

Der 1941 geborene Komponist Konrad Boehmer schuf sein kurzes Werk für Flöte solo im Rahmen seiner Lehrtätigkeit als Professor für Musikgeschichte und Theorie der neuen Musik an der Königlichen Musikhochschule in Den Haag. Seine effektvolle Komposition zeigt experimentelle Stilelemente.

 

Das Trio für Klavier, Flöte und Violoncello von C. M. von Weber entstand 1819 und ist zu einem festen Bestandteil der Flötenliteratur geworden. Die drei Instrumente mit ihren virtuos geführten, gleichberechtigten Stimmen verschmelzen im Werk zu einem homogenen Ganzen.

Nach einer kurzen, feierlich-langsamen Einleitung erklingt ein typisches Fugenthema, das allerdings nicht ausgearbeitet wird. In der Flötenfiguration des zweiten Themas lässt Weber als Selbstzitat das Joho-Tralala-Motiv aus dem Jägerchor des „Freischütz“ erklingen.  Entgegen der Tradition ist der zweite Satz, nicht langsam, sondern ein dramatisierter Schnellwalzer voller Synkopen-Akzente und Ländler Thematik. – Im dritten Satz paraphrasiert und variiert Weber die Liedweise zu Eichendorffs berühmtem Gedicht „In einem kühlen Grunde“. Das spritzige Finale greift auf die Kopfsatz-Themen und den Jägerchor zurück.

 

Der rumänische Komponist und Musikkritiker Stan Golestan (* 26. Mai 1875 in Vaslui; † 21. April 1956 in Paris) wurde erst vor einigen Jahren wiederentdeckt. Er studierte von 1897 bis 1903 an der Schola Cantorum in Paris bei Vincent d'Indy, Albert Roussel und Paul Dukas und wirkte dort als Komponist, Musikkritiker und Kompositionslehrer an der École Normale. Er schrieb für Le Figaro und gründete 1905 die Zeitschrift L'Album musical.

Golestan komponierte sinfonische Werke, Kammer- und Vokalmusik, seine Violinsonate wurde  von Georges Enescu uraufgeführt. Im Zweiten Weltkrieg musste er unter falschem Namen leben, seine Kompositionen wurden nicht verlegt. Glücklicherweise änderte sich dies in letzter Zeit: Seine ungewöhnliche und farbenreiche Flötensonatine gehört zu den spannungsreichen und interessanten Werken, die wieder aufgeführt werden.

 

Robert Schumann komponierte das Klavierquartett Es-Dur op. 47 im Jahr 1842 und widmete es Graf Mathieu Wielhorsky, einem Hobby-Cellisten, der offenbar sehr versiert gewesen sein muss. Es gehört zu den Standardwerken der Kammermusik mit Klavier.

Der schwungvolle erste Satz beginnt mit einer langsamen, geheimnisvollen Einleitung . Vor Beginn des Durchführungsteils wird noch einmal das Dunkel des langsamen ersten Teils aufgegriffen. Die sich ständig steigernde musikalische Spannung gipfelt schließlich in fast symphonischer Dichte. Vor der Coda erscheint noch einmal das  ruhige Sostenuto, ehe der prachtvolle Satz mit einem vorwärts stürmenden Agitato zu Ende geht.

Im fünfteiligen Scherzo werden zwischen die wie ein perpetuum mobile hin huschenden Moll-Teile zwei Trio-Teile gestellt. Der erste trägt lyrisch-kantable Züge, der zweite, akkordische, gewinnt seinen Reiz aus synkopischen Klängen.

Der dritte Satz bezaubert mit einem wunderbaren, schwärmerischen Zwiegesang von  Cello und Violine. Die Einwürfe von Klavier und Bratsche haben lediglich Episodencharakter.

Das Finale beginnt mit einem Fugenthema, das allen Instrumenten gleichermaßen Virtuosität und Präzision abverlangt. Die Grundstimmung ist temperamentvoll und lebensfroh. Mit einer brillant-musikantischen Coda lässt Schumann das kammermusikalische Meisterwerk enden.

 

 

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Stand: 20. Februar 2013.