Jülicher Schlosskonzerte©

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aktuell: Das Eröffnungskonzert der neuen Saison am Sonntag, 18. September 2022 um 20 Uhr mit dem Streichquartett "Simply Quartet" findet wieder in der Schlosskapelle der Zitadelle Jülich statt.

 

 

1. Mai 2022

 

Tschechisches Nonett 

das Konzert wurde vom WDR aufgezeichnet und später gesendet

im Rahmen der Reihe "Kammerkonzerte NRW"  

 

 

Foto: W. Emde

 

Romana Zieglerová - Violine, Ondřej Martinovský  - Viola, Simona Hečova - Violoncello

David Pavelka - Kontrabass, Jiri Skuhra - Flöte, Vladislav Borovka - Oboe

Ales Hustoles - Klarinette, Pavel Langpaul - Fagott

Jiri Spacek - Horn

 

Das Tschechische Nonett ist eines der ältesten Kammerensembles weltweit. Gegründet wurde es im Jahre 1924 von Schülern des Prager Konservatoriums und wurde innerhalb von kurzer Zeit zu einem bedeutenden Klangkörper mit klassischem Repertoire und in vielerlei Hinsicht bahnbrechend für neue Musik. Das Tschechische Nonett hat durch seine Interpretationen und der originellen Instrumentalbesetzung viele bekannte zeitgenössische Komponisten zu neuen Kompositionen inspiriert, genannt seien an dieser Stelle Prokofjew, Lutosławski, Martinů.


Die spezifische Instrumentalbesetzung (Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass und Blaserquintett) bietet eine fast unerschöpfliche Skala an Farbkombinationen mit dem vollen Klang eines Kammerorchesters. Dadurch ist es möglich, Kompositionen vom Barock bis zur Gegenwart ins Repertoire aufzunehmen, welches besonders breit und vielfältig ist.
Das Tschechische Nonett stellte sich bereits auf zahlreichen internationalen Musikfestivals vor: den Salzburger Festspielen, Edinburgh International Festival, Montreux, Schleswig-Holstein Musik Festival, den Festivals La Folle journée de Nantes, Festival de Música de Canarias, Prager Frühling und anderen.
Es absolvierte viele Konzerttourneen durch europäische Länder (Deutschland, Österreich, Großbritannien, Holland, Spanien, Italien, Frankreich), weiter durch Länder Nord- und Südamerikas, Japan und Afrika und trat ebenfalls auf bedeutenden internationalen Konzertbühnen auf: Wiener Musikverein, Montreaux Auditorium Strawinski, München Herkulessaal, Auditorio de Zaragoza, Lyon Auditorium, Washington Library of Congress, Playhouse Vancouver, Dvorak-Saal des Prager Rudolfinums usw.
Die umfangreiche Diskographie des Tschechischen Nonetts umfasst fünfundvierzig Langspielplatten und CD's der Firmen Supraphon, Panton und Harmonia Mundi. Für die Aufnahmen für die französische Edition Praga Digital's mit dem internationalen Vertriebsnetz Harmonia Mundi, mit dem das Tschechische Nonett im Jahre 1995 einen Exklusivertrag abgeschlossen hat, erhielt das Ensemble eine ganze Reihe wichtiger Preise. Die Aufnahme des Nonetts mit Werken von Bohuslav Martinů erhielt 1996 von der bekannten Rezensionszeitschrift Répertoire höchste Ehren - den Preis 10 du Répertoire, und im Jahre 2003 gewannen die Aufnahmen Beethovenscher Kompositionen den Preis Choc du Monde de la Musique. Für Praga Digital's hat das Tschechische Nonett auch Kompositionen von Brahms, Mozart, Roussel, Prokofjew, Spohr, Dvorak u. a. eingespielt.

 


 

Das Programm

 

Louis Spohr

(1784 - 1859)

Grand Nonett op. 31

Allegro Scherzo. Allegro – Trio I / II Adagio Finale. Vivace

 

- Pause -

 

Antonín Dvořák

(1841 - 1904)

Serenade D Moll op. 44

Moderato, quasi marcia Minuetto. Tempo di minuetto – Trio. Presto Andante con moto Finale. Allegro molto

 


Zum Programm

Der in Braunschweig geborene Geigenvirtuose Louis Spohr zählt zu jenen Komponisten des 19. Jahrhunderts, deren Ruhm heute verblasst ist. Seine Kammermusik und Opern, die die frühe Romantik prägten, werden heute kaum noch aufgeführt. Dabei wurden seine Werke damals häufig mit großem Erfolg gespielt. Der fast zwei Meter große, hühnenhafte Geiger war der deutsche Antipode Paganinis, der ihn respektvoll den „vorzüglichsten Sänger“ auf seinem Instrument nannte. Als Dirigent war Spohr einer der ersten, die sich mit dem Taktstock vor das Orchester stellten. Er war Opernkapellmeister am Theater an der Wien, in Frankfurt und in Kassel, wo er für mehr als 30 Jahre wirkte. Der Komponist gehörte zu einer Generation, die noch stark von Haydn und Mozart geprägt war und von diesen ausgehend allmählich zu einem neuen Stil gelangte.

Im Nonett gibt es mehr als einen Hinweis auf diese Tradition. Wenig originell sind seine Themen, neuartig und auch heute noch faszinierend dagegen seine Harmonik und Klangfarben. Der Beginn des Adagios in tiefer Streicherlage verweist auf ähnliche Anfänge bei Schubert, Mendelssohn und Brahms. Hier fand Spohr zu einem neuen Ton, den auch nachfolgende Romantiker aufgriffen. Unumstritten ist auch die satztechnische Meisterschaft seines Werks, das bis heute als das Nonett schlechthin gilt. Jedes Instrument ist solistisch und zugleich als Stimme im Ensemble behandelt.


Die Serenade d-moll op. 44 von Antonin Dvorák, original besetzt für 10 Bläser, Violoncello und Kontrabass, wurde 1878 geschrieben und am 17. November uraufgeführt. Es ist das zweite Werk des Komponisten innerhalb dieser Gattung. Bereits 1875 entstand die ‚Serenade E-Dur op. 22‘ für Streichorchester. Auch hier mag das klassische Vorbild Mozarts und der damit zusammenhängenden ‚Serenaden-Tradition‘ als Vorbild gedient haben, in Opus 44 gibt es erstaunliche Parallelen im Sinne von Reminiszenzen, die Dvorák mit äußerstem handwerklichem Geschick und beeindruckender Stilsicherheit in ein neues klangliches Gewand überträgt: „eine souveräne Stilisierung ‚im klassischen Stil‘. Tschechische Volkstöne hauchen dem Menuett und Andante neues Leben ein, während die Themen so berstend komisch oder sentimental gefühlig charakterisiert sind, dass eine Art Musik ‚über die Wiener Klassik‘ entsteht.“ (Kammermusikführer der Villa Musica RLP).

 

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Stand: 25. Mai 2022.