Jülicher Schlosskonzerte©

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21. Januar 2018

 


Rezension des Konzertabends am 7. November 2004

Inhaltsschwere Schicksalsmusik

Zur Erinnerung an die Zerstörung Jülichs bietet der Verein “Schlosskonzerte" ein bewegendes Konzert mit bravourösen Solisten vor ausverkauftem Haus


jülich. Vier ausgezeichnete Solisten und Interpreten fanden sich im zweiten Schlosskonzert aus einem besonderen Anlass zusammen. Zum Gedenken an die Zerstörung Jülichs wählten sie selten aufgeführte Werke. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte und dem Schicksal ihrer Stadt und das Interesse an einem ausgefallenen Kammermusikprogramm führte viele Jülicher in die Schlosskapelle. Das Konzert war seit Tagen ausverkauft.

Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Detlev Ernstes führte in die Thematik der zerstörten Heimatstadt ein. Nach einem kurzen historischen Exkurs erläuterte er die Werke. Nikolaus Friedrich (Klarinette), Takashi Bernhöft (Violine), Matthias Purrer (Cello) und Thomas Palm (Klavier) fanden sich zu einem Ensemble zusammen, das mit Engagement, perfekter Technik und empfindsamer Musikalität die Besonderheit der Werke heraus arbeitete.

Die Suite aus der “Geschichte vom Soldaten" von Igor Strawinsky ist ein Werk von großer Musikdramatik. In fünf Sätzen wird fast märchenhaft, lautmalerisch und bildhaft die Begegnung und der Pakt des Soldaten mit dem Teufel beschrieben. Volkstümliche Elemente und burleske Szenen wechseln mit der Symbolik für Soldat und Teufel.

Johann Sebastian Bach schuf mit seinen Cello Suiten grundlegend Neues. Versteckte echte Mehrstimmigkeit, radikaler Verzicht auf den Generalbass sind die neuen Elemente, bei denen der beträchtliche Höhenumfang des Instrumentes von Vorteil ist. Kunstvolle Stilisierung, Spielfreude und tänzerische Elemente kommen zu ihrem Recht. Interessant und mit perfekter Technik hob Matthias Purrer als Solist das weiche, freundliche Menuett in D-Dur von der herben Doppelgriffigkeit des Moll-Menuettes ab. Er beherrschte sein Instrument in Per­fektion und musizierte mit warmem vollem Celloton.

Schwere Kost erwartete die Zuhörer im zweiten Teil des Konzertes. Die Musik von Olivier Messiaen ist von theologischen Vorstellungen inspiriert. Sie lebt von undmit der Natur, von der Schöpfung. “Das Quartett auf das Ende der Zeit" ist richtungsweisend für die nachfolgenden Werke. Im Kriegswinter 1940/41, als Kriegsgefangener in Görlitz, komponierte Messiaen sein Werk. Über 5000 Gefangene hörten diese Aufführung durch Lagerinsassen. Vorangestellt wird ein Zitat aus der Apokalypse des Johannes “Hinfort soll keine Zeit mehr sein".

Sehr persönliche Gefühle begleiteten den Komponisten bei der Schaffung dieser bedrückenden, aufwühlenden Komposition. Das Ende der Zeit ist für ihn gleichzeitig auch das Aufheben der klassischen Organisation der musikalischen Zeit. Das breite Spektrum der menschlichen Gefühle, die Höhen und Tiefen macht Messiaen “hörbar". In einem entrückten Abschluss in höchster Tonlage wird das Ansteigen des Menschen als vergöttlichte Kreatur zu seinem Gott, zu seinem Paradies versinnbildlicht.
 

Dieses Werk stellt höchste Anforderungen an die Instrumentalisten. Nikolaus Friedrich, Matthias Purrer, Takashi Bernhöft und Thomas Palm erbrachten eine Glanzleistung und verdienen höchste Anerkennung.                    

(hivi)

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