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21. Januar 2018

 


Rezension des Konzertabends am 22. März 2015

 

 

Streichkonzerte meisterlich interpretiert

 

Das Merel Quartett beweist seine hohe Virtuosität beim begeisternden Gastspiel in der Schlosskapelle. Die Intensität der Musik fordert das Publikum.

Von Hilde-Viehöfer-Emde

 

jülich. Höchste Konzentration wie auch großen körperlichen Einsatz erforderte das Programm des Schlosskonzertes von den Musikern des Merel Quartetts aus der Schweiz. Aber die Intensität der Musik forderte auch das Publikum. Doch die Dichte der Werke und die Faszination, die das engagierte und bewegende Spiel der Musiker ausstrahlte, machten das dreistündige Konzert zu einem echten Erlebnis.

Das Quartett gründete sich 2002 in Zürich mit Mary Ellen Woodside (Violine), Manuel Oswald (Violine), Alessandro D´Amico (Viola) und Rafael Rosenfeld (Violoncello). Mit der Programmzusammenstellung des Konzertabends in der Schlosskapelle bewiesen sie ihre Vielseitigkeit und Flexibilität in der Interpretation der Werke verschiedener Epochen und Stilrichtungen.

Das Streichquartett C-Dur von W. A. Mozart gehört zu der zweiten Gruppe von Werken in dieser Besetzung, die stark unter dem Eindruck der Kompositionen Haydns stehen. Sie sind kammermusikalisch anspruchsvoll ausgereift, bestechen durch Kontrastwirkungen und deklamierende Affektmotivik. Das aufgeführte Streichquartett C-Moll wird auch „Dissonanzen Quartett“ genannt, hergeleitet aus seiner ungewöhnlichen, langsamen Einleitung. Der chromatische Grundton beherrscht das ganze Werk. Motivisch-melodische Kunst macht den Charme der fantasievollen Komposition Mozarts aus. Die melancholische Innerlichkeit des Andantes ließen die Musiker in poetischem Klangzauber aufblühen.

Klassizistische Elemente

Kontrast bot das Streichquartett Nr. 6 von Béla Bartok, sein letztes in Europa vor der Emigration geschriebenes Werk. Die Komposition gehört mit ihren klassizistischen Elementen zu seiner letzten Schaffensperiode. Der musikalische Ausdruck der Folklore wurde von Bartok absorbiert. Durch komplizierte Rhythmik erhält seine Musik innere Spannung. Seine neue Klangsprache erlebten die Zuhörer bei einem virtuosen Zusammenspiel der Musiker.

Höchste Anforderungen an die Musiker stellte auch das Streichquartett in F-Dur von Ludwig van Beethoven. Dieses umfangreiche Werk von fast doppelter Länge der üblichen Aufführungszeit ist Zeichen seiner Neigung zum Monumentalen auch in der Kammermusik und einer Fülle von gesanglich melodischen Themen. Das Allegretto mit seiner fantasiereichen, überraschenden Tonsprache hat die Elemente des Tanzsatzes und besticht durch eine melodiöse, kapriziöse Linie. Die klagende Tragik des Adagio löst sich im „Thème russe“ des Finales.

Die Musiker des Streichquartettes bestachen durch solistisches Können, empfindsame Interpretationen und durch ein Zusammenspiel voller Harmonie. Ihre persönliche Begeisterung für die Musik ließ den Funken leicht auf das Publikum überspringen.

Der begeisterte Applaus motivierte trotz der Länge des Konzertabends noch zu einer Zugabe.

(hivi)