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21. Januar 2018

 


Rezension des Konzertabends am 13. März 2005

Reise voller Wehmut und Sehnsucht nach Liebe

Konzertbesucher erleben in der Schlosskapelle Schuberts Liederzyklus „Winterreise" in Perfektion. Veranstalter treffen mit den Künstlern Rolf Schmitz-Malburg und Bernhard Gaube eine äußerst glückliche Wahl.


jülich. Die Qual des Lebens ließ den Komponisten Franz Schubert keineswegs in Resignation erstarren. Er drückte Trauer, Lebensunlust und die Sinnlosigkeit des Daseins in einem emotional hoch dramatischen Musikwerk aus. Der Liederzyklus „Winterreise" steht immer wieder auf dem Konzertprogramm. Diesmal auf dem der Jülicher Schlosskonzert-Reihe am Sonntag Abend. Die Veranstalter hatten mit den beiden Künstlern
Rolf Schmitz-Malburg (Bass-Bariton) und Bernhard Gaube (Hammerflügel) eine glückliche Wahl getroffen. Das Duo nahm das Publikum in der nahezu voll besetzten Schlosskapelle mit auf eine Reise voller Wehmut, Liebessehnsucht und einem trüben Todeswunsch. Und trotz der schweren Kost, die wenig von der Heiterkeit und dem Frohsinn des nahenden Frühlings vermittelte, erlebten die Konzertbesucher einen musikalisch perfekten Abend.

Rolf Schmitz-Malburg lebte die Musik förmlich und durchlitt - wohl ebenso wie der Komponist - einen wahren Gefühlssturm. Hin- und hergerissen zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Seelenqual und süßer Erinnerung zeigte sich der Solist sowohl in Gestik und Mimik als auch musikalisch. Bei dem berühmten Lied „Der Lindenbaum", eines der wenigen Lieder des Zyklus in Dur, erinnerte sein Bass-Bariton an einen warmen Sommerwind, der sanft über die Haut streicht. Bei dem dramatischen zwölften Lied „Einsamkeit" wurde die ganze Zerrissenheit von Schuberts Gefühlswelt offenbar. Mit volltönender Stimme wurden Klage und Niedergeschlagenheit ebenso fühlbar wie tiefste, unstillbare Sehnsucht.

Der Hammerflügel, den Bernhard Gaube brillant und mit perfekter Abstimmung auf den Solisten spielte, war das ideale Instrument für Schuberts Musik. Die Fülle und Art des Klangs, die der Pianist dem Flügel entlockte, waren ebenso vielseitig wie die Stimme des Solisten.

Häufig wird Schuberts „Winterreise" mit dem persönlichen Schicksal des Komponisten in Verbindung gebracht. Er vollendete
das Werk 1827, ein Jahr vor seinem Tod. Zu dieser Zeit war der 30-jährige Schubert bereits schwer krank. Außerdem litt er darunter, nie seine
große Liebe gefunden zu haben. Aber es waren auch die Umstände der Zeit, die Schubert zusetzten. Die Ideale der Französischen Revolution - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - wurden durch den Wiener Kongress aufgehoben. Es folgte ein Rückfall in die höfische Gesellschaft, in der alle missliebigen Kritiker im besten Falle zensiert, im schlechtesten verfolgt oder ihre Werke verboten wurden.

Betrachtet man Schuberts Winterreise unter diesem Aspekt, bekommen Text und Musik auch eine zeitkritische, politische Bedeutung. Beide Betrachtungen - Schuberts persönliches Leid und sein Leiden an der schwierigen Zeit - wurden durch die Interpretation der beiden Künstler lebendig erzählt. Eine großartige, lehrreiche Leistung, die vom Publikum mit minutenlangem Applaus belohnt wurde.                  

(hhs)

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