Jülicher Schlosskonzerte©

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21. Januar 2018

 


 

Rezension des Konzertabends am 25. März 2012

 

 

 

Dramatische Dynamik in zarter Stimme

 

Bezaubernder Liederabend mit Anna Pehlken und Stefan Irmer: Selten aufgeführte Werke erzählen von Liebe und Liebesleid.

Von Hilde Viehöfer-Emde

 

Jülich. Einen großartigen Liederabend boten die Jülicher Schlosskonzerte mit den Interpreten Anna Pehlken (Sopran) und Stefan Irmer (Klavier). Von größter Harmonie geprägt war der Vortrag der beiden Musiker, bei dem selten aufgeführte Werke zu hören waren.

Schon beim ersten Lied von Pauline Viardot und Fryderyk (Fréderic) Chopin „Aime-moi“ wurde klar, dass sowohl Stimme wie Vortrag von der Sopranistin etwas ganz besonderes darstellten. Ihre flexible, geschmeidige Stimme, das weiche Timbre und die Leidenschaft ihres Vortrages beeindruckten ungemein. Die Werke wurden in der Originalsprache gesungen, Lautklang und Authentizität waren so gewährleistet.

 

Spätromantik

Polnische, spätromantische Literatur begegnete dem Zuhörer in den Werken von Viardot und Chopin. „Hai luli“ und drei Werke aus den polnischen Liedern der Komponisten lebten von der eigenen klanglichen Harmonie, die einen eigenen Stil repräsentieren. Alte Gedichte mit polnischen Sprachwurzeln inspirierten die Komponisten.

Die Poesie vermochte Anna Pehlken durch Lautmalerei und Sprache für den Zuhörer spürbar und nachempfindbar zu machen. Die Worte sind schier unübersetzbar, da sie Wortschöpfungen der Dichter und Aneinanderreihungen von Lauten sind, die in der musikalischen Sprache ihren ureigensten Ausdruck finden. Die Synthese von Wort und Musik taucht tief in die Volksmusik hinein.

Die Geschichten von Liebe und Leid, von Sagen, Märchen und Legenden von Karol Szymanowski wurden durch den einfühlsamen Vortrag der Sängerin und ihre warme Sopranstimme lebendig.

 

Feinste Zwischentöne

Mühelos und mit weichem Timbre wie auch mit dramatischer Dynamik inszenierte sie die verschiedensten Werke. Bei den drei Liedern von Richard Strauss agierte Anna Pehlken in feinsten Zwischentönen von Piano bis Forte. Ihr Vortrag beherrschte die Palette von größter Zartheit bis zu größter Dramatik.

Ihre Stimme war gleichzeitig Instrument und Ausdrucksmittel. In Stefan Irmer hatte sie einen Partner, dessen Klavierpart je nach Komposition angepasst dezent bis zur eigenständigen Stimmgebung reichte. Das gemeinsame Musizieren war von größtmöglicher Harmonie geprägt.

 

Stationen der Liebe

Interessant waren auch die sechs Romanzen von Sergej Rachmaninoff, die 1916 kurz vor seinem Exil entstanden und Texte von unterschiedlichen Dichtern verarbeiteten. Stilistisch hat die Lyrik nichts miteinander zu tun. Aber die Stationen einer Liebesbeziehung ziehen sich wie ein roter Faden durch die Komposition und weisen den Weg von der zarten Anfangsbeziehung bis hin zur Ekstase der letzten euphorischen Phase. Die Intervalle, deren Dichte und Enge sich zusehends weiten, begleiten diesen Weg. Auch die Tonarten sind dieser Thematik angepasst.

 

Orchestrale Opulenz

Solistisch bei diesen Werken ist der Klavierpart geprägt, alle pianistischen Möglichkeiten sind auskomponiert.

Gleichberechtigt zu der Gesangsstimme hatte Stefan Irmer Gelegenheit, sein pianistisches Können in der orchestralen Opulenz der Melodien zu zeigen. Brillant war das als Prélude vorgetragene Lied „Gänseblümchen“ in einer Solofassung für Klavier.

 

Größte Harmonie, eine Sängerin, die mit Stimme und Ausstrahlung bezauberte, ein Pianist mit brillantem technischen Können und der Gabe der angepassten und trotzdem eigenständig aussagekräftigen Begleitung, selten aufgeführte Werke bescherten den Besuchern in der Schlosskapelle ein einmaliges Konzerterleben.

 

Großer Applaus dankte den sympathischen Künstlern. Zwei Zugaben erfreuten das Publikum. Besonders der Beitrag „Summertime“ zeigte noch einmal die Vielseitigkeit und Ausdrucksstärke von Anna Pehlken. (hivi)

 

 

 



 

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