Jülicher Schlosskonzerte©

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21. Januar 2018

 


28. Februar 2010

Morgenstern Trio

 

Abschlusskonzert des Beethovenzyklus

 

 

Stefan Hempel, Catherine Klipfel, Emanuel Wehse

(von links nach rechts)

 

Am Sonntag, dem 28. Februar 2010 um 20 Uhr findet in der Schlosskapelle der Zitadelle Jülich das fünfte Konzert der Saison 2009/10 der „Jülicher Schlosskonzerte“ statt. Das „Morgenstern Trio“ mit Catherine Klipfel, Klavier, Stefan Hempel, Violine, Emanuel Wehse, Violoncello, wird Klaviertrios aus der frühen, mittleren und späten Schaffensperiode von Ludwig van Beethoven interpretieren: c-moll op.1/3, D-Dur op.70/1 (Geistertrio), B-Dur op.97 (Erzherzogtrio).

Mit diesem Konzert wird ein mehrjähriger, seit der Saison 2004/05 laufender Zyklus der „Jülicher Schlosskonzerte“, der dem kammermusikalischen Gesamtwerk Beethovens gewidmet ist, abgeschlossen.

Zum Programm

Mit der Veröffentlichung seiner Klaviertrios op. 1 Nr. 1-3 im Jahr 1795 eröffnete Beethoven, selbstbewusst und sich klar von seinen Jugendwerken absetzend, die Opusliste seiner Meisterwerke. Sein damaliger Lehrer in Wien, Joseph Haydn, soll seinen Schüler vor der Herausgabe, insbesondere des hier gespielten dritten Trios, gewarnt haben, denn die Wiener seien mit derart komplexen und dynamischen Stücken überfordert. Haydns Befürchtungen stellten sich als unbegründet heraus. Beethoven verdiente mit seinen drei Trios über 700 Gulden, genug, um sich den Lebensunterhalt für ein ganzes Jahr zu sichern.

Während in Haydns und Mozarts Klaviertrios das Cello noch begleitende Funktion hatte, ordnete ihm Beethoven in seinen Trios eine eigenständige, den Partnerinstrumenten ebenbürtige Rolle zu.

In op. 1 Nr. 3 wird das dramatische Hauptthema des Kopfsatzes durch ein unisono geführtes fragendes Motiv eingeleitet. Vorübergehende Beruhigung bringt ein weicheres zweites, mit „dolce“ überschriebenes Thema. Wirkliche Entspannung bietet das Andante mit seinen 5 Variationen über ein liedhaftes Thema. Der mit Menuetto überschriebene 3. Satz erhält Scherzocharakter durch die locker zwischen die kurzen Motivfolgen geworfenen Kaskaden schneller Klavierläufe. Das Finale steigert die Dramatik des Kopfsatzes bis zur Wildheit. Der Satz endet überraschend mit pianissimo aufsteigenden C-Dur-Tonleitern des Klaviers vor leise pochendem Streicherhintergrund.

 Das 1808 in Heiligenstadt komponierte Trio op. 70 Nr. 1 greift Themen des 2. Satzes der 2. Symphonie auf. Im straff konzipierten Kopfsatz folgt einem stürmischen Unisono-Aufstieg nach einem kurzen Verharren das euphorische, nacheinander von Cello, Geige und Klavier vorgetragene Hauptthema. Die Motive werden in der Durchführung kontrapunktisch verarbeitet. Eine zart einsetzende Coda führt zum Anfang, jetzt in umgekehrter Reihenfolge zurück. Der Name »Geister-Trio« des Werkes geht auf seinen geheimnisvollen, in dunkles d-moll tauchenden zweiten Satz zurück, der durch ein verworfenes Opernprojekt Beethovens über Shakespeares „Macbeth“ angeregt wurde. Ein kurzes prägendes Motiv und extreme klangliche und dynamische Gegensätze kennzeichnen den Satz. Das zum D-Dur des Kopfsatzes zurückkehrende Finale überrascht mit ungewöhnlichen virtuosen und harmonischen Wendungen.

Beethovens breit angelegtes letztes Klaviertrio op. 97 ist seinem Förderer, Schüler und Freund, Erzherzog Rudolph, gewidmet, der selbst gut Klavier spielte und auch komponierte. Bei Vollendung des Werkes, 1811, war Beethoven nahezu taub. Nach einer chaotischen Uraufführung mit ihm selbst am Klavier zog sich Beethoven endgültig von der Bühne zurück.

Über allen Sätzen liegt ein poetischer Zauber. Das Hauptthema des Kopfsatzes wird vom Klavier mit vollen Akkorden aber zart („dolce“) vorgestellt. In der Exposition treten zwei weitere Themen hinzu, ein tänzerisches und ein emphatisches, beide in überraschendem hellem G-Dur. Die Durchführung leitet mit duftigen Trillern zur Reprise zurück. Das Scherzo ist hier an die zweite Stelle vorgezogen. Es beginnt mit einem tänzerischen Staccato, das in ein gesangliches Legato übergeht. In einem Zwischenspiel führen dunkle chromatische Windungen, dreimal zu strahlenden Fanfaren-Ausbrüchen empor, und schließlich zurück zum Scherzo. Die Umkehrung der konventionellen Folge steigert den Kontrast zwischen dem Scherzo und dem langsamen Satz in hellem D-Dur, indem ein schlichtes gesangliches Thema zunächst in 4 Variationen in immer kleinere Notenwerte aufgelöst und in einem 5. Teil wieder aufgegriffen wird. Eine leise verklingende Coda führt direkt in das zur Grundtonart B-Dur zurückkehrende temperamentvolle Final-Rondo. Der abwechslungsreiche Satz wird mit einer stürmischen Coda abgeschlossen.

Zu den Interpreten

Die drei Musiker des 2005 gegründeten Trios benannten ihr Ensemble nach Christian Morgenstern, dessen Gedichte voller Musik sind. 2006 errang das Ensemble das Stipendium des deutschen Musikwettbewerbs. Es folgten zahlreiche Preise und Auszeichnungen: 2007 erster Preis beim Wiener Haydn-Wettbewerb, Preis des renommierten ARD-Wettbewerbs, dabei Gewinner des Publikumspreises. Die Folkwang Hochschule in Essen hat das Trio zum „Ensemble in Residence“ für die Jahre 2008 und 2009 ernannt. Für die Saison 2009/10 wurde das Ensemble auf Vorschlag der Kölner Philharmonie und der Elbphilharmonie Hamburg für die "Rising Stars"-Reihe der ECHO, (European Concert Hall Organisation) ausgewählt, mit deren Vermittlung es in den wichtigsten Sälen der europäischen Musikzentren debütieren wird (Paris, Wien, Amsterdam, Köln, Brüssel, Birmingham, Stockholm etc.).

Das Trio hat gerade den großen amerikanischen Klaviertrio-Award gewonnen, der ihm 25 Konzerte in den USA (u.a. in der Carnegie Hall) ermöglicht.

Zum Programmheft

 


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Stand: 16. Mai 2010.